Wann starte ich mit der Reha und was ist wichtig?
Die Rehabilitation beginnt nicht erst mit der ersten Prothese. Bereits unmittelbar nach einer Amputation werden wichtige Grundlagen für die spätere Versorgung gelegt.
Wundheilung, Stumpfformung, Kompression, Muskelaufbau und das Erlernen neuer Bewegungsabläufe beeinflussen maßgeblich den langfristigen Erfolg einer Prothesenversorgung.
Eine erfolgreiche Rehabilitation entsteht durch das Zusammenspiel von Medizin, Therapie, Orthopädietechnik und dem persönlichen Engagement der Betroffenen.
Inhaltsverzeichnis
APT begleitet Sie – Ihr Weg ist unserer!
Allem Know-how zum Trotz kommt es in erster Linie auf Ihre eigene Motivation an. Ebenso wichtig ist es, sich reale Ziele zu stecken um umsetzbare Maßnahmen zur Zielerreichung entwickeln zu können. Das ist immer unser Anfang mit Ihnen – wir helfen Ihnen, Ihre Ziele real und erreichbar zu definieren. Möglicherweise haben Sie bisher geglaubt, dass Ihnen lediglich das richtige „Material“ fehlt, um aktiv mit Ihrer Prothese (um-)gehen zu können.
In den allermeisten Fällen ist es ein Mix an Maßnahmen, welche Sie als Prothesenträger mit viel Ehrgeiz, Mut und Schweiß durchführen müssen. Sie haben im Grunde die meiste Arbeit von allen Disziplinen. Wir sind jedoch immer an Ihrer Seite und helfen Ihnen, Ihre Ziele zu erreichen.


Gewohnheiten und Rückschläge überwinden
Nach den ersten Erfolgen kommt häufig die Ernüchterung. Denken Sie immer daran, Ihr Körper verändert sich ständig – trainieren Sie viel, verlieren Sie an Fett und gewinnen Muskulatur dazu. Ihr Schaft wird nach einiger Zeit nicht mehr sitzen und somit Schmerzen bereiten. Gleiches gilt auch im umgekehrten Falle – Sie bewegen sich nicht, dann nimmt der Fettanteil zu, der Stumpf wird dicker und Sie passen ebenfalls nicht mehr in den Schaft. Zudem fällt es Ihnen zunehmend schwerer, auch nur kurze Strecken ohne weitere Hilfsmittel (Gehstützen oder Rollator) zu überwinden.
Der Mensch ist und bleibt ein „Gewohnheitstier“ – gewöhnen wir uns an einen Zustand erst einmal, so fällt es uns sehr schwer aus dieser Gewohnheit auszubrechen. Genau das ist jedoch nun Ihre Aufgabe, wenn Sie in Zukunft trotz Amputation mit Ihrer Prothese aktiv sein wollen.
Was bedeutet Rehabilitation nach einer Amputation?
Die Rehabilitation umfasst alle Maßnahmen, die dazu beitragen, Mobilität, Selbstständigkeit und Lebensqualität nach einer Amputation wiederzuerlangen oder zu erhalten. Sie beginnt unmittelbar nach der Operation und begleitet viele Betroffene über Jahre hinweg.




Die erste Zeit nach der Amputation
Die ersten Wochen sind häufig von Wundheilung, Schmerztherapie, Mobilisation und vielen organisatorischen Fragen geprägt. Gleichzeitig werden bereits wichtige Grundlagen für die spätere Prothesenversorgung geschaffen. Ein ausführliches Beratungsgespräch mit Fachleuten, insbesondere dem ausgewählten Orthopädietechniker oder erfahrenen Peers, kann helfen, viele Unsicherheiten zu reduzieren und erste Fragen zur neuen Lebenssituation zu beantworten.
Bei einer geplanten Amputation kann ein solches Gespräch bereits im Vorfeld stattfinden und die Vorbereitung auf die neue Situation erheblich erleichtern.
Wundheilung und Stumpfpflege
Eine gute Wundheilung und sorgfältige Stumpfpflege bilden die Grundlage für eine erfolgreiche Versorgung. Hautzustand, Narbenbildung und Belastbarkeit beeinflussen die spätere Nutzung einer Prothese erheblich.


„Nach einem Schicksalsschlag muss man sich neu orientieren, neue Kraft schöpfen und sich neu motivieren. Entscheidend ist, etwas zu finden, das einen antreibt und Freude bereitet. Wenn ihr das für euch entdeckt habt, dann geht diesen Weg.“
David Behre,
Geschäftsführer APT & paralympischer Sprinter
Interimsversorgung und erste Prothese
Die erste Prothese ist dazu da, Erfahrungen zu sammeln und den Körper schrittweise an die neue Situation zu gewöhnen. Veränderungen des Stumpfes machen in dieser Phase regelmäßige Anpassungen erforderlich.
Nach abgeschlossener Wundheilung und erfolgter Kompressionstherapie, schließt sich eine 6-monatige Interimsphase an. Die Interimsphase dient der weiteren Stumpfformung, sowie der Testung von Passteilen für die spätere Definitivprothese. Anwender und Techniker sollten im Optimalfall einige Wochen Zeit bekommen, die Prothese an und vor allem auch nachzupassen, bevor die erforderliche Rehabilitation startet.
Bei der ersten Anprobe hat der Anwender so viele neue Eindrücke zu verarbeiten, dass Statik und optimale Passform nicht abschließend beurteilt werden können. Hinzu kommt, dass im Schaft ein höherer Druck wirkt, wenn der Anwender darauf steht, als dass im Post OP Liner/beim Wickeln der Fall ist. Durch die nun stattfindende Bewegung wird das Lymphsystem zusätzlich angeregt. Ein schnelles Abschwellen des Stumpfes und die Notwendigkeit der Nachpassung ist ein erwartbares Resultat. Es sollte also möglich sein mindestens 3-4 Termine im 1-2 Wochen Rhythmus zu machen, bevor die Reha beginnt, um an den Maßnahmen mit einem passenden Prothesen Schaft und einer vernünftigen Statik auch wirklich teilnehmen zu können.
Bei zu früh gestarteter Reha entstehen leider wiederholt Probleme, durch nicht ausreichend ausgeheilte Wunden oder schnell unpassend werdende Prothesen, mit allen dazugehörigen Konsequenzen wie z.B. Gang Unsicherheit und Druckstellen, wodurch eine gezieltes Stabilitätstraining, sowie die Gangschule erheblich eingeschränkt werden.



Kompression und Stumpfformung
Nach der Amputation verändert sich der Stumpf häufig über viele Monate. Kompressionsmaßnahmen unterstützen die Formgebung und können helfen, Schwellungen zu reduzieren und eine spätere Schaftversorgung vorzubereiten.


Alltag und Selbstständigkeit
Mit zunehmender Sicherheit rücken Alltag, Beruf, Freizeit und persönliche Ziele wieder stärker in den Mittelpunkt. Die Rehabilitation endet nicht mit der ersten erfolgreichen Versorgung.
Reha-Maßnahmen im Vergleich
Gangschule und Prothesentraining
Das Gehen mit einer Prothese muss trainiert werden. Ziel ist ein möglichst sicheres, energieeffizientes und alltagstaugliches Gangbild. Dabei spielen Wiederholungen und Geduld eine wichtige Rolle. In erster Instanz ist es wichtig, vertrauen zur Prothese aufzubauen. Immer vom leichten zum schweren. Erst wenn Sicherheit und Vertrauen gegeben sind, kann man eine Prothese richtig nutzen und Freiheit zurückgewinnen.
Insbesondere Sturzprophylaxe, sowie Aufsteh-Training kann sehr sinnvoll sein, um Ängste zu überwinden. Ganz essenziell im Training sind Stabilitätsübungen, angefangen von einfach scheinender Gewichtsverlagerung, hin zu klassischen Stabi-Übungen. Für ein sauberes Gangbild braucht es zuletzt immer eine gut Ausgewogene Muskulatur. Auch die beste Technik läuft sich nicht von allein und es bedarf gezieltem Muskelaufbau, sowie wiederkehrender Kontrolle.
Es ist Ratsam regelmäßig sein Gangbild und Trainingszustand beim Physiotherapeuten oder in der Reha überprüfen zu lassen, um sich einschleichende Fehler anzugehen und ein möglichst physiologisches Gangbild zu erhalten, um Spätfolgen durch fehl Belastungen bestmöglich vorzubeugen.
Physiotherapie und Ergotherapie
Physiotherapie und Ergotherapie begleiten viele Menschen während der Rehabilitation. Sie unterstützen Beweglichkeit, Kraftaufbau, Koordination und die Rückkehr in Alltag und Beruf. Die Prothetik spielt in der gängigen Ausbildung leider nur eine untergeordnete Rolle, weswegen Physio- als auch Ergotherapeuten sich gezielt weiterbilden müssen.
Eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Therapeut und Techniker ist wünschenswert. Der Kontakt und die Gegenseitige Unterstützung sollte gegeben sein und darf auch gerne vom Anwender hergestellt werden. Hier muss man den vielen engagierten Physiotherapeuten unter Umständen die Möglichkeit geben, sich mit Unterstützung vom Techniker in die Materie einzuarbeiten.
Insbesondere die vielen unterschiedlichen Passteile und Anbindungsmöglichkeiten sind eher selten das tägliche Brot der Therapeuten, wobei es natürlich auch hierbei Spezialisten gibt. Grundsätzlich sollte es aber keine Berührungsängste geben und das übliche Handwerkszeug der Therapeuten findet auch nach einer oder mehrerer Amputationen Anwendung.
Motivation, Rückschläge und Ziele
Fortschritte verlaufen selten geradlinig. Rückschläge gehören für viele Menschen zur Rehabilitation dazu. Realistische Ziele und kontinuierliches Training helfen langfristig weiter. Eine begleitende Psychotherapie kann sinnvoll sein.


Rehabilitation ist ein lebenslanger Prozess
Auch viele Jahre nach einer Amputation verändern sich Anforderungen, körperliche Voraussetzungen und persönliche Ziele. Regelmäßiges Training und Anpassungen bleiben wichtig. Es schleichen sich immer wieder Fehler ins Gangbild und beim Stehen auf einer Prothese ein. Diese sollten in regelmäßigen Abständen von Fachleuten begutachtet und gezielte Übungen zu Gegensteuerung erarbeitet werden.
Insbesondere im fortgeschrittenen Alter macht sich der zusätzliche Energieaufwand der zum Prothesen laufen nötig ist bemerkbar. Regelmäßige Übungen zur Erhaltung von Mobilität, Kraft und Koordination bleiben auch langfristig wichtig.
Der langfristige Erfolg einer Prothesenversorgung wird nicht allein durch die Technik bestimmt. Rehabilitation, Training und Eigeninitiative spielen eine ebenso wichtige Rolle wie die Auswahl der Prothese selbst.
Ein Tipp noch zum Schluss: Vergleichen Sie sich niemals mit anderen Betroffenen – Sie sind, wie jeder andere Mensch auch, einzigartig! Es gibt also keinen sinnvollen Vergleich zwischen amputierten Menschen! Definieren Sie Ihren Weg und beschreiten Sie ihn so, dass Sie damit am Ende zufrieden sein können. Wir sind an Ihrer Seite!
FAQs zu Sportprothesen
Wann beginnt die Rehabilitation?
Die Rehabilitation beginnt unmittelbar nach der Amputation. Bereits Wundheilung, Mobilisation, Kompressionstherapie und Stumpfformung sind wichtige Bestandteile des Rehabilitationsprozesses.
Wie lange dauert die Rehabilitation?
Die Dauer ist individuell unterschiedlich. Die eigentliche Rehabilitationsmaßnahme dauert häufig mehrere Wochen oder Monate. Viele Aspekte der Rehabilitation begleiten Betroffene jedoch lebenslang.
Wann bekomme ich meine erste Prothese?
Der genaue Zeitpunkt hängt von Wundheilung, Stumpfzustand und den medizinischen Voraussetzungen ab. Für gewöhnlich erfolgt die erste Interimsversorgung nach abgeschlossener Wundheilung und Kompressionstherapie. Die Prothese sollte vor dem Start der Reha vernünftig sitzen.
Brauche ich Physiotherapie?
In den meisten Fällen ja. Physiotherapie unterstützt Kraftaufbau, Gleichgewicht, Koordination, Gangbild und den sicheren Umgang mit der Prothese. Sie vermeidet Fehlhaltungen und bildet die Grundlage für ein sauberes Gangbild.
Kann ich wieder Sport treiben?
In vielen Fällen ja. Nach entsprechender Rehabilitation und mit einer geeigneten Versorgung sind zahlreiche Sportarten wieder möglich. Welche Aktivitäten sinnvoll sind, hängt von der individuellen Situation ab. Nach einer Amputation sollte der Stumpf jedoch nicht überlastet werden, weswegen im ersten Jahr die Ausheilung und des Stumpfes und Nachpassungen an der Prothese im Vordergrund stehen. In dieser Zeit sollte der ausgeführte Sport keine extremen Belastungen des Stumpfes mit sich bringen.
Sie haben Fragen zur Rehabilitation nach einer Amputation oder möchten sich über den Weg zur ersten Prothese informieren?
Unsere Teams unterstützen Sie gerne persönlich.

